| Angelika Wild-Regel war Schülerin der
Theravada-Nonne Ayya Khema und übte nach deren Tod mit Lehrern
verschiedener Traditionen. Die Achtsamkeitspraxis übt sie seit
1989. |

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Wie bist du zum Buddhismus gekommen?
Im Alter von 21 Jahren bereiste ich mit einer Freundin Sri Lanka,
und dort fühlte ich mich intuitiv sehr zuhause. Obwohl ich vom Buddhismus
eigentlich noch gar nichts wusste und auch noch keinen intellektuellen
Zugang zur Lehre bekam, war es doch ein tiefes Gefühl für das ich damals
keine Worte fand. Zuflucht habe ich 1990 genommen, und meine Lehrerin in
Deutschland war dann Ayya Khema.
Welche Aspekte des Buddhismus und auch der Meditation sind dir
persönlich am wichtigsten? Was mich am meisten anspricht ist das
Gefühl, angekommen zu sein und ein ganz praktisches Werkzeug für den
Alltag zu haben. Und das ist für mich der Edle Achtfache Pfad des Buddha.
Meditation sollte immer im Zusammenhang mit der Lehre des Buddha geübt
werden. Außerdem finde ich die Lehrreden des Buddha aus dem Palikanon sehr
interessant, weil in diesen doch zu erkennen ist, welch unglaublicher
Mensch der Buddha war und auf welch differenzierte Weise er Menschen
unterrichtet hat. Als Meditationspraxis mag ich besonders
Meditationsformen, welche die Entwicklung von Herzenswärme und liebender
Güte entwickeln helfen, sowie Formen, die zur Entwicklung von Akzeptanz
und Weisheit beitragen können. Sehr geholfen hat mir auch die Übung des
Bodyscan, eine sehr detaillierte Meditationsübung, die im Liegen
durchgeführt wird und sowohl zu tiefer Entspannung als auch zu Ruhe und
Einsicht führen kann.
Was heißt für dich Lehrer-Schüler-Verhältnis? Darüber gäbe
es vieles zu sagen, Dr. Alexander Berzin hat ja ein ganzes Buch darüber
geschrieben. Für mich selber bedeutet es Herzensverbindung auf einer sehr
tiefen Ebene. Und doch kann ich auch sagen, dass mein Partner sowie
Menschen, denen ich im Alltag wie in Kursen begegne, auch meine Lehrer und
Lehrerinnen sind, weil wir doch alle voneinander lernen können.
Du bietest im Haus der Stille eine Seminar „Stressbewältigung durch
Achtsamkeit“ nach Dr. Jon Kabat-Zinn an. Was unterscheidet diesen Kurs von
den sonstigen Kursen im Haus? Obwohl ich das Haus der Stille sehr
schätze, muss ich doch gestehen, selber noch keinen Kurs dort besucht zu
haben. Aber ich kenne einige der LehrerInnen persönlich und habe auch
Kurse mit diesen anderswo besucht. Das Setting ist schon etwas anders als
bei Meditationskursen, die im „Edlen Schweigen“ stattfinden, weil viel
Wert auf den Erfahrungsaustausch in der Gruppe gelegt wird und sich Rede
und Schweigephasen abwechseln. Je nach Thema können auch Rollenspiele oder
achtsame Körperarbeit integriert werden. Auch die Motivation der
Teilnehmenden ist nicht unbedingt darauf ausgerichtet, BuddhistIn zu sein
oder einen auf Erleuchtung ausgerichteten Pfad zu beschreiten. Und doch
sind es buddhistische Meditationsübungen, die Dr. Jon Kabat- Zinn schon
vor etwa 30 Jahren mit kranken und gestressten Menschen geübt hat und
deren heilsame Wirkungen auf Menschen er auch wissenschaftlich erforscht
hat. So zeigt es sich, dass aufgrund des Themas doch eher Menschen kommen,
die präventiv – oder aufgrund einer Stressproblematik – etwas für sich tun
möchten. Oft fühlen sich auch Menschen angesprochen, die eher eine
Schwellenangst haben, sich in einen buddhistischen Meditationskurs zu
begeben. Manchmal zieht der Kurs auch Menschen an, die ihre buddhistische
Meditationspraxis wieder auffrischen wollen. Meine älteste und treueste
Teilnehmerin ist 83 Jahre alt und sie beschäftigt vor allem das Thema
„Akzeptanz von Vergänglichkeit und Sterben“.
Warum sollten die Menschen Achtsamkeit lernen? Rechte
Achtsamkeit trägt immer die Qualitäten von Gewahrsein, Präsenz, Liebe,
Mitgefühl, Geduld, Konzentration. Loslassen, Nicht-Beurteilen und
Lebendigkeit in sich. Wenn wir unser Leben in dieser Form von Achtsamkeit
schulen und bereichern, dann leisten wir einen äußerst sinnvollen Beitrag
zu einer menschenfreundlichen Lebenswelt, die nicht nur auf uns selbst
heilsam wirkt, sondern sich auch auf andere Zusammenhänge des täglichen
Lebens auswirken kann.
Was bedeutet es für dich, Buddhismus im Alltag zu leben?
Der Versuch, ein für mich und andere heilsames Leben zu führen.
(Das Interview wurde durchgeführt im Sommer
2007.)
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