| Wolfgang Seifert erfuhr seine Schulung in Burma, Thailand und
Sri Lankas. Die Lehrerlaubnis erteilte ihm Dhiravamsa. Seinen ersten
Kurs im Haus der Stille gab er 1997. |
 |
Wie bist du zum Buddhismus gekommen? Die Initialzündung ging
von einem Orchesterkollegen aus - ich war ja früher Orchestermusiker – der
als Mönch in Sri Lanka gelebt hatte und dann in unser Orchester
zurückkehrte.
Was hat dich damals am Buddhismus interessiert bzw.
angesprochen? Das Buch von Georg Grimm, „Die Lehre des Buddho“, hat
mich intensiv berührt. Da ich in dieser Zeit in einer tiefen Lebenskrise
weilte, hat mich die Aussage des Buddha: „das Leben ist leidvoll“
besonders angesprochen. Wegweisend war dann, aus diesem Leiden durch
Meditation und „rechte Lebensweise“den Weg in eine neue Freiheit zu
finden.
Welche Aspekte des Buddhismus erscheinen dir persönlich am
wichtigsten? Eindeutig die Kontinuität der persönlichen Praxis und
die Öffnung des Herzens durch Metta (Liebe). Außerdem ist mir wichtig,
Anatta (Nicht-Selbst oder Nicht-Ich) immer tiefer zu verstehen.
Wie hat es sich ergeben, dass du Lehrer geworden bist? Ich
sehe mich eher als Kursleiter, denn als Lehrer. Kursleiter bin ich
geworden, weil ich ein eitler Bursche bin und ich das Begehren habe, das,
was ich erlebt habe, weiterzugeben. Mir ist wichtig, andere an meinen
Erfahrungen teilhaben zu lassen. Ein Sprichwort sagt: „Wes Herz ist voll,
des Mund läuft über“. So erlebte ich, wie einige Freunde durch meine
Erzählungen berührt, eigene Erfahrungen erleben wollten, und so begann es,
dass ich meine ersten Kurse gab, die sich dann allmählich ausweiteten.
Später hat Dhiravamsa mich ermutigt und autorisiert, Kurse „offiziell“zu
leiten.
Was heißt für dich Lehrer-Schüler-Verhältnis? Wie ich vorhin
schon sagte, gibt es für mich kein wirkliches Lehrer-Schüler-Verhältnis.
Wir sind alle Gleichgesinnte mit ähnlichen Interessen, die gemeinsam üben
und versuchen, auf dem Weg, dem „Dhammapada“, zu sein. Mein Ansinnen ist
es, jedem Teilnehmer mit gleicher Offenheit und Achtsamkeit zu begegnen.
Ein Satz ist mir hier Leitmotiv: „Der Schüler, der einen Lehrer sucht,
findet (in diesem) einen Schüler. Der Lehrer, der einen Schüler sucht,
findet (in diesem) einen Lehrer“.
Hast du eine spezielle Verbindung zum Haus der Stille? Ich
habe eine sehr tiefe Verbindung zum Haus der Stille, weil ich hier meine
erste Begegnung mit Dhiravamsa hatte und das dadurch meine spirituelle
Heimat wurde. Durch Dhiravamsa, der dann mein erster Lehrer wurde, habe
ich eine tiefe Verwandlung erlebt.
Wann war das? Und wann hast du in Roseburg den ersten eigenen Kurs
angeboten? Das war 1980. Diese Begegnung führte dazu, das ich 1981
meinen Beruf als Musiker aufgegeben habe, um mich intensiv der Meditation
widmen zu können. Nach einigen Jahren wurde der Wunsch, auch in Roseburg
einen Kurs anbieten zu können, immer stärker und ich wagte es, Frank
Wesendahl anzusprechen, der mir sagte, in einigen Jahren könnte es soweit
sein. Die Nachricht, 1997 zu Weihnachten einen Kurs geben zu können, hat
mich mit großer Freude und Dank erfüllt.
Was willst du in deinen Kursen vermitteln? Das wichtigste,
das ich vermitteln will, ist die Bedeutung der Beharrlichkeit der Praxis
im Alltag, das Bemühen um Versöhnung mit sich und den Menschen und durch
Metta das Herz zu öffnen. Weiterhin versuche ich, die mystischen Aussagen
verschiedener Religionen auf integraler Weise weiterzugeben.
Wie können wir uns das konkret vorstellen? In den vielen
Jahren meiner Übungszeit erfuhr ich immer mehr, wie sehr sich die Lehren
des Buddha, des Jesus, Ramana Maharshis, Meister Eckehardts und anderer
Meister aller Religionen in den Aussagen über den Weg, das Ziel, den Sinn
und die kosmischen Gesetze gleichen, oder, zwar in anderen Worten
ausgedrückt, identisch sind. Wenn die Übenden hören: „Nirvana und Samsara
sind Eins“, „Ich und der Vater sind Eins“, „die Einheit ohne ein
Zweites“(Advaita-Philosophie), dann erlebte ich die Übereinstimmung dieser
Aussagen. Jegliche Trennung in Religionen, Schulen, Meinungen sind
Geisteskonzepte und verhindern das Erleben des „Alles im Sein“. Jesus
sagt: "Kein Haar fällt vom Haupte, ohne den Willen des Vaters." Diese
Aussage bedeutet für mich die Lehre Buddhas vom „Entstehen und Vergehen in
Abhängigkeit", alles ist „bedingte Erscheinung“.
Was bedeutet es für dich, Buddhismus im Alltag zu leben? Vor
allem eine hohe Achtsamkeit zu entwickeln. Das bedeutet, ohne Verdrängung
und Vermeidung die inneren Vorgänge anzuschauen, um zu sehen, wie wir
wirklich sind. Und zu lernen, uns selbst und unsere Mitmenschen
gleichermaßen anzunehmen. Wichtig ist mir auch, Metta direkt als Liebe zu
bezeichnen und nicht durch indirekte Umschreibungen (z.B. liebende Güte),
wie sie oft in der buddhistischen Literatur verwandt werden - und
natürlich dann auch so zu leben. Das Ziel des Übenden sollte nicht in der
Ferne irgendwelche Erlösung und Erleuchtung sein, sondern „hier und
jetzt“in den Bereichen des Lebens achtsam zu sein, jegliche Trennungen in
Gedanken, Meinungen, Worten zu erkennen und zu versuchen, diese
aufzulösen. Sich dem Weg anzuvertrauen, um dann zu erleben, dass die
Hingabe an das innere Wissen, der sichere Kompass ist, dass das Auflösen
der Trennungen Liebe bedeutet, dass der „Weg“die Freiheit ist. Das
Dreigestirn leuchtet auf: Hingabe, Liebe und Freiheit sind eins.
(Das Interview wurde durchgeführt im Sommer
2006.)
|