Interview mit Klaus Lange

Klaus Lange hat sich mit östlichen Religionen beschäftigt und buddhistische Meditation geübt. Seit 1980 geht er einen eigenen inneren Weg, den er „Innere Erfahrungen“ nennt. Seitdem sind unzählige Menschen in seine Wochenendveranstaltungen und zu Einzelbegleitungen zu ihm gekommen.  
In den Kursen ist vom „inneren Weg“ die Rede. Wie sieht dieser „innerer Weg“ aus?
Menschen reisen überall hin und kommunizieren mit anderen, wo sie auch sind auf der Erde. Die Reise zu sich selbst und die Kommunikation mit sich selbst sind bei uns jedoch weitgehend unbekannt. Die innere Reise beginnt mit Achtsamkeit: Man wird sich bewusst, was gerade in einem deutlich ist und kann dabei alles Innere erreichen: den Körper mit Organen, Teilen, Energien, Bewegungen, Hemmungen, Leiden, Gesundheit, Schmerzen, Fließen und Sinneseindrücken; Gefühle wie Freude, Trauer, Vertrauen, Angst, Liebe, Hass, Zufriedenheit, Frust, Glück, Leiden; den Geist mit Gedanken, Erinnerungen, Sorgen, Bildern, Träumen, inneren Orten und Gestalten, Phantasien, Licht, Dunkelheit, Weite, Enge, Auflösung. Wichtig ist die innere Kommunikation: Wie im Kontakt mit anderen Menschen vertieft es die Beziehung, wenn man das anspricht, was man gerade wahrnimmt So kann man – laut oder leise – sagen: „Unruhe, ich spüre dich“ oder „Freude ich mag dich“ oder „Angst, ich finde dich unangenehm“. Der angesprochene Teil antwortet manchmal auf seine Weise: vielleicht durch Worte oder durch einen Augenblick der Ruhe oder Freude. Aber auch, wenn nichts zu geschehen scheint, entsteht mehr Beziehung nach innen. Man ist immer bei sich selbst: Jeder wird häufig von anderen Menschen oder äußeren Situationen berührt. Viele glauben, dass das die Ursache für eigene Gefühle oder Reaktionen ist. Es ist jedoch ein Irrtum, denn was einem deutlich wird, ist immer etwas Eigenes. So kann man bei einem liebevollen Menschen die Geborgenheit nur spüren, weil sie in einem selbst ist. Der andere Mensch bringt nur das Gefühl ins Bewusstsein, was immer schon in einem war. Daher kann man auch dann Geborgenheit spüren, wenn man nicht bei dem liebevollen Menschen ist, sondern nur an ihn denkt. Man muss sich nicht anstrengen: Es reicht aus, sich wahrzunehmen, zu spüren, dass es in einem geschieht und dann einige Worte damit zu sprechen. Man muss sich also nicht bemühen, zu verstehen, warum etwas deutlich ist. Man muss es auch nicht bewerten, und es festhalten oder loswerden. Selbst wenn man leidet, kann man versuchen, es im Augenblick der Wahrnehmung zuzulassen.

Welche spirituelle Praxis übst du für dich aus?
Ich lebe das, was ich den Menschen vermittele. Ich lebe bewusst und achtsam mit meinem Körper, mit allen meinen Gefühlen, mit inneren Energien und Gestalten, wie auch mit meinen geistigen Vorgängen. Zwischendurch lebe ich „als Mensch“ auch meine Unbewusstheit.

Wie hat es sich ergeben, dass du Lehrer geworden bist?
Ich habe keinen Lehrer gehabt, der mich auf diesen inneren Weg gebracht hat. 1980 habe ich mit drei Freunden begonnen, bewusster nach innen zu gehen. Wir wussten nichts darüber und hatten viel Angst. Als wir uns nach einigen Monaten getrennt hatten, kamen schon Menschen zu mir, die von mir gehört hatten. Damit begann ich die vielen Einzelbegleitungen, die ich bis heute jeden Tag mit vielen Menschen mache. Ich fing dann auch an, Veranstaltungen anzubieten. Ich habe nie für meine „Inneren Erfahrungen“ geworben. Alle Menschen kommen auf Empfehlung von jemanden, der bei mir innere Erfahrungen gemacht hat.

Was willst du in deinen Kursen vermitteln?
Von Anfang an wusste ich, dass ich nur Erfahrungen leben und vermitteln wollte. Ich empfinde mich selbst als „Vermittler der inneren Welt“. So habe ich keinen „Überbau“, den man lernen muss. Jeder, der zu mir kommt, erlebt sich selbst, wie er in diesem Augenblick ist. Die meisten Menschen kümmern sich ja erst dann um sich selbst , wenn sie leiden. So habe ich jeden Tag mit menschlichem Problemen und Leiden zu tun. Ich ermutige den Menschen, dort zu beginnen, wo er jetzt ist. Also in seiner Trauer, seiner Depression oder sogar seiner Psychose. Ich ermutige den Menschen, sich auch mit solchen unangenehmen und bedrohlichen Zuständen vertrauter zu machen. Man überwindet sein Leiden nicht, sondern lebt bewusster mit ihm. Das führt zum Vertrauen zu sich selbst. Da ich mit der inneren Welt sehr vertraut bin, schütze ich mich selbst auch nicht vor den leidvollen Themen, die ich miterlebe. Ich bin kein Therapeut, ich habe keinerlei Ausbildung gehabt. Ich gehöre keiner Religion an, habe aber viel Beziehung zu Buddhisten.

Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, an die du dich richtest?
Keine Zielgruppe: Es kommen Menschen aus allen Religionen, Weltanschauungen, Berufen und allen Altersklassen zu mir. Was heißt für dich Lehrer-Schüler-Verhältnis? Im Indischen gibt es den schönen Satz: „Ein äußerer Guru hat nur eine einzige Aufgabe, nämlich den Menschen zu seinem eigenen inneren Guru zu führen. Wer das nicht macht, ist kein wirklicher spiritueller Lehrer.“ Bei mir kann der innere Guru zum Beispiel das Herz sein oder die innere Mutter oder das Bild eines spirituellen Lehrers.

Hast du eine spezielle Verbindung zum Haus der Stille?
Ich habe schon vor 1980 einige Male bei Vimalo in Roseburg meditiert. Ich glaube, dass ich dort seit etwa 1984 meine eigenen Veranstaltungen begonnen habe, die immer sehr voll waren.

 

(Das Interview wurde durchgeführt im Sommer 2007.)



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