| Alfred Weil studierte Pädagogik und Psychologie und
beschäftigt sich seit 1979 intensiv mit dem Buddhismus. Seit 1984
gibt er Vorträge und Seminare; in Roseburg gibt er Kurse seit
2006. |
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Wie bist du zum Buddhismus gekommen? Ohne zu wissen, warum,
war ich schon als Kind von Buddhastatuen fasziniert. Später bin ich auf
Reisen nach Asien mit dem Buddhismus in Berührung gekommen und habe seinen
Gehalt vor allem durch Paul Debes näher kennen gelernt.
Wie hat es sich ergeben, dass du Paul Debes kennen gelernt
hast? Eigentlich durch eine „Verwechslung“. Ich hörte von einem
Offenbacher Buddhisten, der auch Debes hieß. Zu ihm nahm ich Kontakt auf,
bemerkte aber dann schnell meinen Irrtum. Allerdings hatte mein nun neuer
Freund in Offenbach gute Kontakte zu Paul Debes und nahm mich bald zu
einem ersten Besuch nach Katzeneichen mit. Das war Mitte der achtziger
Jahre.
Welche Aspekte des Buddhismus erscheinen dir persönlich am
wichtigsten? Ich finde gerade, dass es den Buddhismus auszeichnet,
den Menschen als Ganzes anzusprechen und auf alle seine Lebensäußerungen
einzugehen. Für mich persönlich steht das richtige Verständnis der
Lebenswirklichkeit am Anfang und im Mittelpunkt.
Was genau meinst du mit dem „richtigen Verständnis der
Lebenswirklichkeit“? Um diese Frage zu beantworten, müsste man ein
ganzes Seminar machen. Zentrale Punkte sind für mich beispielsweise die
Karma-Lehre und die Lehre von der Fortexistenz. Das sind für den normalen
Menschen im Westen schon ziemlich harte Brocken, und dennoch haben sie vor
allem vorbereitenden Charakter. Sie ebnen letztlich nur den Weg zum
Verständnis der vier zentralen Wahrheiten des Buddha: die Wahrheit von der
Unzulänglichkeit jeglicher Existenz, von deren Bedingtheit, von der
befreienden Alternative und vom Weg dorthin.
Wie bist du Lehrer geworden? Nach wie vor verstehe ich mich
in erster Linie als ein Lernender. Ich teile aber gerne meine Erfahrungen,
wenn ich danach gefragt werde (was in den letzten Jahren häufiger
geschieht).
Wie hat es sich ergeben, dass du mit dem „Lehren“ oder „Teilen
deiner Erfahrungen“begonnen hast? Ich wurde vor rund 20 Jahren
einmal darum gebeten, einen Vortrag über Buddhismus an der Volkshochschule
zu halten. Ich wusste damals freilich noch wenig, aber die Zuhörer in
dieser Zeit noch weniger. Buddhismus war noch kein die Öffentlichkeit
interessierendes Thema. Im Laufe der Zeit haben sich die Nachfragen
vermehrt, und heute widme ich Vorträgen und Seminaren recht viel Zeit.
Was heißt für dich Lehrer-Schüler-Verhältnis? Hauptsächlich,
dass man voneinander lernt, das heißt wechselseitig. Im Normalfall kann
jeder von dem Anderen etwas profitieren, der "Lehrer" am meisten, wenn er
anderen etwas erklären möchte.
Gibt es eine besondere Verantwortung des Lehrers? Was macht die
Lehrerrolle aus? Ich selbst bezeichne mich nicht als Lehrer. Ich
gebe vor allem Wissen über die buddhistischen Lehren weiter. Das ist
wichtig und hilfreich. Doch ein Lehrer im eigentlichen Sinn muss dieses
Wissen auch (weitgehend) verwirklicht haben und in der Lage sein, andere
zu führen. Da überschätzen und übernehmen sich viele. Ich möchte da
zurückhaltender sein, eben weil die Verantwortung groß ist. Deshalb
verweise ich immer wieder auf den Buddha selbst. Er ist der eigentliche
Lehrer und von ihm stammen die Weisheiten, die uns tatsächlich
weiterhelfen können.
Hast du eine spezielle Verbindung zum Haus der Stille? Das
Haus der Stille ist mir seit vielen Jahren ein Begriff, und ich kenne
zahlreiche Menschen, die als Lehrende und als Teilnehmer hier waren. Umso
mehr freue ich michüber die Einladung, jetzt selbst einen Kurs zu
geben.
Was willst du in deinem Kurs in Roseburg vermitteln? Mein
Hauptanliegen ist, Interessierte an das „Original“, an die Worte des
Buddha selbst heranzuführen und Brücken zum Verständnis zu bauen.
Was bedeutet es für dich, Buddhismus im Alltag zu leben? Der
Versuch, das Verstandene immer mehr auf das Denken, Reden und Handeln
Einfluss nehmen zu lassen und alte Gewohnheiten zu erkennen bzw.
aufzugeben.
(Das Interview wurde durchgeführt im Sommer
2006.)
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